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Chessington Cycles Euro-Jet

Ein alter Fahrradaufkleber aus einem Tresor aus den Resten der Junior Fahrradfabrik brachte ein weiteres Puzzlestück zur Stratostreak Geschichte. Die Ähnlichkeit zum Junior-Logo ist gut erkennbar.

Chessington Cycles Logo

Chessington Cycles Logo

Eine Recherche zeigte dass Junior seine Fahrräder wohl unter dem Label Chessington Cycles in Großbritannien verkaufte. Und natürlich war auch der Stratostreak dabei – wurde dort aber als Chessington Cycles Euro-Jet verkauft.

Chessington Cycles Euro-Jet

Chessington Cycles Euro-Jet

Boys, go do your nearest “Chessington Cycles” dealer and see the new “Euro-Jet” for yourselves. Fantastic cycles that are really selling fast.
Boys “Euro-Jet” have hi-rise handlebars, motor forks, either 3 speed or 5 speed gears, chromed chain guard, prop stand and many more attractive features.
Chessington boys “Euro-Jet” are available in orange, yellow, metallic orange or metallic blue.
Be quick and choose your Chessington “Euro-Jet”.
Available from most Yamaha motorcycle dealers and many cycle shops.

Chessington Cycles 1974

Chessington Cycles 1974

Natürlich habe ich diese Erkenntnis auch in meinem Beitrag Stratostreak – Die Geschichte hinzugefügt.

Stratostreak – Die Geschichte

Vorgeschichte

Junior Fahrradwerke Graz-Puntigam war der zweitgrößte Fahrradproduzent in der Steiermark, Österreich. Immer ein wenig im Schatten von Marktführer Steyr-Daimler-Puch versuchte man sich mit den etwas schöneren, verspielteren, detaillierteren und dadurch auch teureren Fahrräder hervorzuheben.

Neben dem heimischen Markt gab es auch gute Exportgeschäfte. Ende der 60er nutzte man den Fahrradboom in die USA und produzierte auch für Stelber Industries Inc., New York.

1967 brannte bei einem Großbrand das Werk in Graz nieder und man übersiedelte nach Köflach. 1968 wurden 1500 Fahrräder täglich produziert.

High-Riser Boom

Bei Stelber in USA hatte man seit Mitte der 60er, so wie viele andere auch, High-Riser mit klassischen Cantilever-Rahmen im Angebot.

1968 verspürte Georg Barris, eine Legende in der Auto Customizing Szene und Erfinder von berühmten Filmautos (The Munster Koach, Batmobile,…) den Drang auch High-Riser zu bauen. Beim Marktführer Schwinn stieß er auf taube Ohren, bei Stelber allerdings wurde er mit offenen Armen aufgenommen und es begann eine neue Ära der Muscle-Bikes.

Stelber verkaufte die von Barris designten Highriser unter dem Label Iverson. Die folgenden sind maßgebend für die Entwicklung des Stratostreak verantwortlich.

Iverson Drag Stripper

Iverson Drag Stripper

Iverson Drag Stripper

Man beachte den kompletten hinteren Bereich mit der Platte mit den drei Löchern für die Reifenaufnahme, die Sissybarbefestigung, die Kotbleche und die Turino 500 Reifen. Auch dürfte das Oberrohr eine Inspiration für das gebogene Blech unter der Sitzbank gewesen sein.

Iverson Road Runner

Iverson Road Runner

Iverson Road Runner

Hier kam die über die ganze Länge gebogene Gabel erstmals zum Einsatz die später auch am Stratostreak zu finden ist.

Geburt des Stratostreak

1970 übernahm Stelber Industries 90 Prozent der Junior Fahrradwerke AG und Ing. Franz Weiß (Firmeninhaber von Junior) kaufte sich in die Stelber-Gruppe ein. Das war wohl auch der Zeitpunkt wo der Stratostreak geboren wurde. Wer maßgeblich dafür verantwortlich war weiß ich leider noch nicht, sicher sind aber die Einflüsse von Georg Barris. Produziert wurde der Stratostreak in Österreich und ab 1972 im Stelber Werk in Portugal.

Verkauft wurde der Stratostreak unter verschiedenen Marken:

Junior in Österreich:

Junior Stratostreak

Junior Stratostreak

Stelber in Portugal und Amerika:

Stelber Stratostreak

Stelber Stratostreak

Montegomery Wards im gleichnamigen Verkaufshaus in Amerika:

Montegomery Wards Stratostreak

Montegomery Wards Stratostreak

Chessington Cycles Euro-Jet in Großbritannien

Chessington Cycles Euro-Jet

Chessington Cycles Euro-Jet

Stürmer (ohne der Bezeichnung “Stratostreak”) in Deutschland:

Stürmer

Stürmer

Varianten

Unterscheidung nach Schaltung:

  • Stratostreak (ohne Schaltung)
  • Stratostreak 3 (mit 3-Gang Nabenschaltungen von Fichtel & Sachs Torpedo Modell 515,  Shimano 333 oder Sturmey-Archer)
  • Stratostreak 5 (mit 5-Gang Kettenschaltung von Simplex oder Shimano)

Ja nach Land wurden Anbauteile lokaler Hersteller verbaut.

Junior Stratostreak 3 mit originale Turino 500 Reifen

Junior Stratostreak 3 mit originale Turino 500 Reifen

Der Untergang

1974 kam es zu Problemen mit dem Dollarkurs. Alleine der Zukauf des Rohmaterials in Europa war teurer als der Verkaufspreis in den USA. Es dauerte nur 6 Monate und Junior war am Ende. Passiva von 560 Millionen Schilling machten Junior zur größten Insolvenz des Jahres 1975. Somit mußten die österreichischen Stelber Werke schließen und rissen das Werk in Portugal und die gesamte europäische Vertriebsorganisation mit. Das verkraftete auch Stelber USA, zu der Zeit weltweit zweitgrößter Fahrradproduzent, nicht und ging in den Ausgleich und wurde liquidiert.

Das war dann auch das Ende vom Stratostreak!

Highriser Geschichte

Ca. 1962

Es begann in Amerika – tollkühne Kids wollten ihre Fahrräder wie Motorrad-Chopper aussehen lassen und montierten Hirschgeweih-Lenker und Sitzbänke mit hoher Sitzlehne an brave Fahrräder. So ausgestattet war man der King auf den Straßen und im Gelände.

Pete Mole arbeitete bei John T. Bill & Company im Verkauf und bemerkte eine erhöhte Nachfrage nach Sitzbänken, hohen Lenkern und 20 Zoll Knobby-Reifen. Bei seiner Recherche in San Diego sah er die Kids auf ihren Rädern und erkannte den Trend. Aber viele Fahrradhersteller wollten diese Fahrräder nicht und es kam sogar zu Diskussion über Sicherheit und Haftung. Pete Mole führte Gespräche mit Huffman-Manufacturing (Huffy) und konnte nach vielen Hürden einen Vertrag für die Produktion des ersten Muscle Bikes abschließen.

1963

Ende Februar 1963 standen dann endlich die ersten Huffy Penguin in Fahrrad-Shops in Kalifornien. Es gab sie nur in schwarz mit weißer Sitzbank, daher auch der Name.

Huffy Penguin

Huffy Penguin

Die Schwinn Bicycle Company überschwemmte den Markt ab Juni 1963 mit dem Schwinn Sting-Ray. Ein schön geformter Rahmen der an die Cruiser der damaligen Zeit angelehnt war, große flache Sitzbank mit Sissybar und der berühmte hohe geschwungene Lenker. Ein schmaler Vorderreifen und ein breiter Hinterreifen waren weitere Details aus der Chopperwelt. Angeboten wurde der Schwinn Sting-Ray wahlweise mit oder ohne Schaltung.

Schwinn Sting-Ray

Schwinn Sting-Ray

1964

Schwinn verkaufte seinen Sting-Ray sehr erfolgreich und so prägte sich der Name als Überbegriff für alle Fahrräder dieser Gattung. Das war Schwinn natürlich nicht Recht und betonte dies mit der Werbeaussage “There is only one Sting-Ray and it is made by Schwinn”. Mit der Zeit etablierte sich aber die vom High-Riser Lenker abgeleitete Bezeichnung High-Riser oder High-Rise Bike.

Ende 1964 begann Stelber mit den ersten Highrisern mit 3-Gang Nabenschaltung.

1968

Der große Boom in Deutschland begann mit dem High-Riser “Bonanza” von Kynast der über das Versandhaus Neckermann verkauft wurde. Ausgestattet war das Bonanzarad mit einem Bananensattel mit Rückenlehne, geteilten Lenkerstangen, Fake-Federn an der vorderen Gabel und 3-Gang Fichtel & Sachs Torpedo Knüppelschaltung.

Kynast Bonanza von Neckermann

Kynast Bonanza von Neckermann

1970

In Großbritannien war es die Raleigh Cycle Company die eine englische Version der Highrisers baute. Der Raleigh Chopper. Besonders auffällig war die fast dreieckige Rahmenform und das kleine Vorderrad. Wahlweise gab es 3, 5 oder sogar 10 Gänge mit Schaltelementen von Huret und Sturmy Archer.

Raleigh Chopper

Raleigh Chopper

Highriser in Österreich

Wann genau es in Österreich mit den Highrisern los ging weiß ich leider (noch) nicht. Denke aber an einen ählichen Start wie in Deutschland. Vielleicht sogar mit dem bei uns auch bekannten Quelle-Versand oder Universal Versand.

Produziert wurden Highriser in Österreich von den Grazer Fahrradfabriken Puch und Junior. Dusika in Wien ließ seine Highriser von Carnielli in Italien bauen.